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Proyecto de lectura

Lesen – mehr ist mehr

Für meinen neuen Oberstufenkurs habe ich ein oft durchgeführtes Projekt überarbeitet: den Lesekoffer. Es ist eine bekannte Methode um extensives Lesen, selbständige Lektüre und Lesemotivation zu fördern: Die Schüler*innen wählen eine Lektüre aus, die sie sich selbständig über einen längeren Zeitraum erarbeiten und dann präsentieren. Damit mit sie mit dem Lesen und der Erarbeitung der Präsentation nicht ganz allein sind, gebe ich aber auch im Unterricht Raum dafür. Wir beginnen gemeinsam mit der Lektüre und besprechen spezielle Lesestrategien. Es gibt einzelne Lese- und Sprechstunden, in denen die Schüler*innen und mit mir und untereinander ihren Lesefortschritt und Probleme (dudas) besprechen, weiterlesen und an ihren Präsentationen arbeiten. Wichtig ist mir, dass die Schüler*innen sich auch untereinander austauschen.

Auswahl:

Die privaten Lesegewohnheiten der Schüler*innen unterscheiden sich sehr von den schulischen, d.h. sie wählen Bücher selbst aus, lesen sie zu unterschiedlichen Zeiten, überlesen Stellen etc. Vor allem wählen sie sie nach anderen Gesichtspunkten aus: Die Geschmäcker sind sehr unterschiedlich, und dies möchte ich bei der Auswahl der Bücher für den „Koffer“ berücksichtigen. Grundsätzlich können sich die Schüler*innen auch ganz selbständig ein Buch aussuchen, das sie lesen möchten, aber die Erfahrung zeigt, dass es den meisten schwerfällt, weil sie ja das Angebot nicht kennen. Ich stelle also eine Liste vor, die aber jederzeit von den Schüler*innen erweitert werden kann.

Ich beziehe nur authentische Texte spanischsprachiger Autor*innen ein, und keine, die speziell für den Spanischunterricht konzipiert wurden, weil ich den Übergang in die weite Welt der „echten“ Literatur schaffen möchte. (Wobei ich doch noch überlege, Lernkrimis hinzuzunehmen…) Weitere Auswahlkriterien sind: Sprachliche Leistbarkeit bzw. Unterstützung, Aktualität und Textvielfalt.

Einige der Bücher gibt es in einer didaktisierten Ausgabe mit Wortangaben, um das Lesen zu erleichtern. Vor allem der Wortschatz ist – auch in der Kursstufe – eine Herausforderung; auch unterscheidet sich die Lesekompetenz der Schüler*innen. Wenn das Lesen sie überfordert, stellen sich auch Lesevergnügen und Motivation nicht ein. Andererseits empfinden andere Schüler*innen die klassischen Schullektüren mit ihrem oft pädagogischen Anspruch als langweilig und ich möchte auch aktuelle Autor*innen einbinden, die vielleicht auch aus Übersetzungen schon bekannt sind, bzw. mit denen man sogar in Austausch treten kann. Die argentinische Schriftstellerin Mariana Enriquez betreibt beispielsweise einen Instagram-Account, auf dem unter anderem Illustrationen zu ihren Texten zu finden sind. Daher entählt die Liste auch authentische Texte ohne sprachlich-didaktische Unterstützung.

Einstieg in das Projekt:

In der ersten Stunde recherchieren die Schüler*innen arbeitsteilig zu der Literaturliste (Inhalt, Genre, Schwierigkeitsgrad, Preis) und wählen ihr Werk aus. Dabei thematisieren wir Lesegewohnheiten und Genres und wiederholen grundlegende Lesestrategien (Worterschließung, Markieren, etc.), die die Schüler*innen schon kennen.  Einen Teil der Lektüren können wir über die Schule anschaffen, andere stelle ich zur Verfügung und einige Schüler*innen kaufen sich die Bücher selbst.

Die eigentliche Lektürephase beginnen wir wieder gemeinsam. Die Schüler*innen bekommen ihre Bücher, bzw. bringen sie mit. Wir besprechen den Umgang mit längeren Texten, sowie mögliche Schwierigkeiten und Strategien, die Lektüre trotzdem flüssig fortzusetzen. Eine Zusammenfassung bekommen sie von mir als Lesezeichen. Dann beginnen sie mit den ersten Seiten und tauschen sich kurz über ihre Eindrücke aus.

Lesephase:

Die Lesephase geht über mehrere Monate. Zwischendurch erinnere ich an das Projekt und biete, am Rande des Unterrichts, Lese-Sprechstunden an, in denen sie Fragen klären können. Diese Unterstützung soll ihnen auch über schwierige Phasen hinweghelfen, damit sie das Buch nicht frustriert zur Seite legen, falls sie sich überfordert fühlen.

Je nach Lesefortschritt erhalten die Schüler*innen in weiteren Stunde Zeit, die Lektüre in der Klasse fortzusetzen, bzw. schon mit ihrer Präsentation anzufangen.

Präsentation:

Für die Präsentation habe ich zwei Formate zur Auswahl gestellt: einen One Pager oder ein Booktok-Video. Inhaltliche Kriterien für beide sind eine kurze Zusammenfassung und eine individuelle Auseinandersetzung mit dem Buch: Die Präsentation von relevanten Themen, Textzitate und eine Evaluation. Beide werde ich kurz vorstellen, ich habe aber auch Beispiele eingestellt, die zeigen, wie sie umgesetzt werden können. Grundsätzlich sind die Schüler*innen auch hier frei: Sie sollen ein Format wählen, das sie anspricht. Wie bei der Buchauswahl ist die Liste nicht abschließend; sie können auch eine andere Präsentationsform wählen, wenn sie sie vorher mit mir absprechen. Die Präsentationen werden in eine Taskcard eingestellt, so dass der Kurs sie als Inspiration zum Weiterlesen nutzen kann.

Hier ist das Lesezeichen:

https://www.canva.com/design/DAFs1hYENn8/okSoDUfd4k0D3DTwiYnOmA/edit?utm_content=DAFs1hYENn8&utm_campaign=designshare&utm_medium=link2&utm_source=sharebutton

Und hier geht es zur Taskcard:

https://kmz-kn.taskcards.app/#/board/ad6408a9-3631-4e01-8b95-7f71131024c6

Eine gute Übersicht zum Lesen im Fremdsprachenunterricht bietet zum Beispiel der „Sammelband Unterricht Englisch: Lesen“, Friedrich-Verlag, 2012.

Das Beitragsbild (auch Hintergrundbild der Taskcard) ist von Ivo Rainha: https://www.pexels.com/de-de/foto/architektonisches-detail-buchgeschaft-ivo-rainha-livraria-lello-1261178/

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