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Mein schulisches Motto für 2024: Mehr Spaß!

Viele spannende Beiträge stehen bereits in der Blogparade „Mein schulisches Motto für 2024“, und ich habe ein paar Blogs wiederentdeckt, die ich immer mal wieder gelesen, die ich aber im letzten Jahr auch ein bisschen aus den Augen verloren hatte. Eine tolle Idee, und ein gutes Thema, zu dem ich auch ein paar Gedanken habe.

Seit ein paar Jahren nehme ich mir zu Jahresbeginn immer ein neues Thema vor, das ich im Lauf der nächsten 12 Monate bearbeiten möchte. Diese Themen waren nicht immer ganz neu, es ging mir eher um eine Fokusverschiebung. Ich habe mich darauf konzentriert, möglichst viele neue Zugänge zu finden und bei jeder Gelegenheit etwas auszuprobieren. 2019 waren es die digitalen Tools, die ich in meiner damals noch völlig analogen Schule, ausgerüstet mit einem mobilen Access-Point, in alle Klassenzimmer getragen habe – nicht ahnend, wie froh ich im nächsten Jahr über meine Erfahrungen sein würde. Als ich mir Individualisierung als Thema gesetzt hatte, habe ich bergeweise Differenzierungsmaterial erstellt und meistens wieder verworfen – ein aufwändiger Weg, um festzustellen, dass ich andere (und weniger materialintensive) Differenzierungsansätze für sinnvoller halte. Ein Spanischkurs, in dem niemand sprechen wollte, hat mich dazu gebracht, alle möglichen Formen der Sprechförderung zu suchen und auszutesten. Dieser Kurs hat meine Bemühungen leider weiterhin vor allem stumm honoriert (sie wussten es aber zu schätzen!) – aber der nächste Kurs wurde dafür umso redseliger.

Auch dieses Jahr gäbe es wieder viele Themen zur Auswahl, aber ich stelle gerade fest, dass ich im Moment am liebsten an das Jahr 2012 zurückdenke. Man wird sich erinnern: 2012 endete der Maya-Kalender, was den einen oder die andere dazu verleitete, den Weltuntergang zu erwarten. Ich habe einen leichten Hang zu schwarzem Humor, daher war es für mich das Jahr der Maya-Kalender-Weltuntergangs-Witze. Weil eines meiner Themen in meiner damaligen Spanischklasse die altamerikanischen Kulturen waren, habe ich jede Woche einen neuen Maya-Kalender-Witz in den Unterricht mitgebracht, und auch, wenn sie nicht alle wirklich lustig waren – also, einige schon, die finde ich heute noch super! –  haben sich alle ein bisschen darauf gefreut. Und daher habe ich nach den Mayas einfach damit weitergemacht, jede Woche einen Witz in den Unterricht mitzubringen.

Ich glaube, mein Arbeitsmotto für das Jahr 2024 wird „Spaß“ lauten. Damit meine ich nicht, dass mir die Schule im Augenblick keinen Spaß macht, im Gegenteil, und ich hoffe auch, dass mein Unterricht zur Zeitnicht ganz humorbefreit ist. Ich möchte aber dem Leichten, Zweckfreien und Lustigen gezielt wieder etwas mehr Raum geben. Wir besprechen im Unterricht viele ernste Themen, wie Globalisierung und Diktaturen, und auch die Vorbereitung des Abiturs wird ihren Raum brauchen. Die Themen sind wichtig und auch spannend, und die Schüler*innen sind interessiert. Aber allein dafür hat wohl niemand das Fach Spanisch gewählt. Außerdem hat diese Woche ein neuer Kurs Referendar*innen ihre Ausbildung angefangen; sie beginnen eine spannende Reise mit vielen Erfahrungen, und ich hoffe, dass auch sie erleben, dass das Lehrer*innen-Sein nicht nur erfüllend (und, ja klar, anstrengend) sein kann, sondern auch manchmal richtig lustig, und das nicht nur zwischen den Stunden. Ich brauche ein bisschen Leichtigkeit, schon damit mir nicht unterwegs die Puste ausgeht, und das geht bestimmt nicht nur mir so. Also, das ist mein Plan: verstärkt nach den Gelegenheiten zum Lachen zwischendurch suchen: das spaßige Kurzvideo mitbringen, auch wenn es mal nicht hundertprozentig zum Thema passt, in der 6.Stunde lieber einen schrägen Energizer (das kotzende Känguru!) statt Ermahnungen zücken, uvm. Ich bin gespannt. 😉

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Warum wir in der Schule mehr und nicht weniger Fremdsprachenunterricht brauchen

Brauchen wir noch Fremdsprachen in der Schule? Ja, und zwar mehr davon! Fremdsprachen sind nützlicher als Steuererklärungen, sie sind heutzutage nicht weniger wichtig als früher und genauso notwendig wie digitale Mündigkeit, jede*r kann Fremdsprachen lernen, sie bereichern uns und machen Spaß! Zugegeben: Am Fremdsprachenunterricht lässt sich das ein oder andere verbessern, ebenso an der Festlegung auf eine vorgegebene Sprachfolge.

Die Argumente, die gegen Fremdsprachen an der Schule ins Feld geführt werden, lassen sich den Bereichen „Nützlichkeit“, „Ressourcenknappheit“ und „Motivation“ zuordnen.

  • Nützlichkeit: Wozu brauchen wir Französisch, Spanisch und Chinesisch, wenn die meisten Menschen doch Englisch sprechen, und wir darüber hinaus jetzt, oder spätestens übermorgen, KI-Tools haben (werden), die direkt für uns übersetzen und sogar sprechen, so dass unter Umständen kaum zu bemerken ist, „ob ich selbst oder mein Tool spreche“?
  • Ressourcenknappheit: Kann die Zeit, die bisher dem Fremdsprachenlernen gewidmet ist, für etwas anderes, zum Beispiel, wie von Christian Spannagel vorgeschlagen*, für den (wie ich ebenfalls finde) dringend benötigten Informatikunterricht nicht besser genutzt werden?
  • Motivation: Warum überhaupt Fremdsprachenunterricht, vom dem doch viele Menschen berichten, dass sie ihn dröge fanden, sich in der Schule gelangweilt, und die Fremdsprachen dann unter Umständen viel schneller im jeweiligen Land gelernt haben?

Ich beginne mit der Nützlichkeit: Diese wird manchmal oberflächlich definiert als die Anforderung etwas zu lernen, das ich direkt umsetzen kann, ungefähr so, wie ich ein YouTube-Tutorial nutze, um meine Strandmuschel wieder zusammenzufalten. Ich nenne es die „Schulfach Steuererklärungs – Diskussion“. Das ist allerdings leider völlig sinnlos, denn nur weil ich irgendwann in meinem Leben etwas tun muss, nutzt es mir nur selten, das zu einem ganz anderen Zeitpunkt einmal gelernt zu haben. Handlungswissen ohne eine Anwendungsmoment ist nicht nützlich. Es ist daher zum Glück auch höchstens zu einem äußerst geringen Teil Aufgabe der Schule. Das Nützliche, das junge Menschen in der Schule lernen sollen, ist: das Verständnis der Welt, wie sie ist, sowie die Kompetenz, sich selbst darin zu realisieren, und sie als Teil der Gesellschaft mitzugestalten, also mündig zu sein. Natürlich müssen wir immer darüber diskutieren, was man denn dazu genau können und wissen muss.  

Informatik oder Fremdsprachenunterricht? Das ist für mich keine sinnvolle Frage. Unsere Welt ist digital, wir brauchen dringend digitale Mündigkeit, also muss sie auch in der Schule vorkommen, vielleicht auch in einem eigenen Fach. Unsere Welt ist aber auch hochkomplex und vielfältig, sie ist vielleicht das „globale Dorf“ geworden, aber in diesem Dorf werden sehr viele unterschiedliche Sprachen gesprochen, und das führt zu Konflikten, wenn wir nicht die Sprache der anderen sprechen. Wir dürfen es uns nicht zu leicht machen, indem wir davon ausgehen, es gäbe eine neutrale Sprache, in der diese vielen Positionen zum Ausdruck gebracht werden können. Die Lebenswirklichkeiten der Menschen, unser Weltverständnis und unsere Haltungen, unsere Menschlichkeit finden in ihrer Vielfältigkeit Ausdruck in unseren vielen Sprachen. Eine zentrale Kompetenz, die wir in Zukunft mehr denn ja brauchen werden, ist die interkulturelle Kompetenz: die Bereitschaft einander zu verstehen, die Bedingtheit unserer Haltungen und Handlungen zu begreifen – aber nicht nur als abstrakte Fähigkeit, sondern konkret.

Es reicht nicht zu wissen, dass Menschen durch ihr Lebensumfeld und ihre Geschichte geprägt sind, ich muss mich für die konkrete Geschichte interessieren, um etwas zu verstehen. Und es reicht nicht, über etwas zu lesen, ich muss mit Menschen in ihrer Sprache sprechen können und sie in meiner, wir müssen uns austauschen können. Dabei ist eine grammatikalisch falsche Frage, eine Erklärung, bei der die Bedeutung von Wörtern immer wieder erfragt und erklärt werden muss, unter Umständen hilfreicher als eine sprachlich einwandfreie KI-Übersetzung, denn letztere übersetzt nicht mit, was ich wirklich meine. Freundschaften erwachsen eher aus dem Bemühen, das „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“ in einer fremden Sprache zu sagen, als aus der Übersetzung des Google-Translators. Diese digitalen Hilfsmittel sind nützlich und nehmen uns viele Alltagshürden, aber sie reichen auf keinen Fall aus. Interkulturelle Kompetenz, definiert als die Erkenntnis, dass Verhalten bedingt ist und ich mich auf den anderen einlassen muss, kann ich bereits im Englischunterricht erlernen, aber das ist nicht genug: Wir müssen mit mehr Menschen in ihrer Sprache sprechen, nicht mit weniger. Natürlich können nicht alle Menschen alle Sprachen sprechen, aber viele Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, wären wirklich wichtig.

Motivation: Wenn Menschen sich kritisch zum Fremdsprachenunterricht äußern, fallen oft Begriffe wie „stumpfes Pauken von Vokabeln“, „quälende Grammatikstunden“, „stundenlanges Ausfüllen von Lückentexten“. Nichtsdestotrotz wollen offenbar viele Menschen Fremdsprachen können, und nehmen auch die Mühen des Lernens auf sich, wie die Nutzerzahlen von Apps wie Duolingo und Babbel zeigen. Auch in der Schule sind die dritten Fremdsprachen Wahlfächer, die ebenso häufig gewählt werden, wie die Alternativen. Die Vermutung liegt nahe, dass Fremdsprachenunterricht nicht deshalb kritisiert wird, weil man die Fremdsprachen nicht lernen will, sondern weil er als mühsam und unergiebig empfunden wird. Aber ist das eine universelle Erfahrung? Mir ging es genauso – im Biologie- und Chemieunterricht. Ich konnte nichts damit anfangen, habe mich schwergetan, Schemata und Formeln zu verstehen und für mich einen Sinn darin zu entdecken, und vermutlich hat man mir das angemerkt. (Hier eine lang überfällige Entschuldigung an Frau Roreger und Herrn Jakobi!) Ich würde trotzdem nicht den Schluss daraus ziehen, dass es nicht sinnvoll war, diese Dinge zu verstehen, und ich habe dort, trotz meiner mangelnden Motivation, genug gelernt um beispielsweise der Diskussion um Genmanipulation in der Landwirtschaft folgen zu können, weil ich genug weiss, um mich informieren zu können.

Das alles bedeutet allerdings auch nicht, dass der Fremdsprachenunterricht nicht weiterentwickelt werden sollte. Ganz kann man das Lernen von Vokabeln sicher nicht abschaffen, und alle diejenigen, die es stört, nur zu radebrechten (ich nehme an, dann doch die meisten), müssen auch Grammatik lernen. Es ist eine Binsenweisheit, dass ich immer etwas lernen muss, um es auch zu können. Das gilt auch für die Musik (Stumpfes Notenwissen!), den Sport (Ausdauertraining!) und die Informatik (ProgrammierSPRACHEN!). Der schulische Fremdsprachenunterricht ist aber längst darüber hinaus, die sprachlichen Mittel zum Selbstzweck zu machen; sie haben dienende Funktion, dienen nämlich der Kommunikation, dem Austausch (direkt oder indirekt), dem Ausdruck des Selbst. Und in diese Richtung sollte es weitergehen: Die Schüler*innen brauchen weniger vollumfängliches Wissen über die spanische Grammatik, wie beispielsweise alle Anwendungsfälle des subjuntivo, als vielmehr die Fähigkeit, das, was sie sagen wollen, differenziert zu äußern, wozu unter Umständen einige häufige Konstruktionen mit besagtem subjuntivo nützlich sind. Ebenso brauchen sie ein breites Vokabular, um zu verstehen, aber auch ein individuelles um sich auszudrücken. Eine Sprache „kann“ man auch nicht erst, wenn man spricht wie ein*e Muttersprachler*in, sondern man kann sie mehr oder weniger, je nachdem wie gut man sich in ihr bewegen kann. Es geht also um Kommunikation, nicht um Fehler, was definitiv auch motivierender ist.

Wie sieht es mit dem schulischen Fremdsprachenkanon aus? Auch der ist nicht so willkürlich, wie er vielleicht von einer genervten Achtklässlerin erlebt wird: Die Schüler*innen lernen mit Englisch die weltweit verbreitete lingua franca, mit Französisch die Sprache des Nachbarlandes, zu dem ein ebenso freundschaftliches wie auch friedliches Verhältnis erst für uns selbstverständlich geworden ist, was es für frühere Generationen nicht war. Spanisch ist eine weitere Weltsprache, die viele Begegnungen eröffnet. Aber heutzutage ließen sich ähnlich gute Argumente für Polnisch, Türkisch, Arabisch, Chinesisch und viele andere Sprachen finden. Vielleicht muss man den Kanon öffnen, mehr unterschiedliche Sprachen vermitteln, die dann nicht alle auf demselben Niveau gelernt werden müssen, aber den Horizont erweitern und mehr Austausch ermöglichen. Man kann diskutieren, welche Sprachen möglichst von allen Schüler*innen gelernt werden sollen, und bis zu welchem Niveau, aber man sollte Möglichkeiten eröffnen, auch andere Sprachen einzubeziehen, Sprachkenntnisse, die außerhalb der Schule erworben wurden, zu vertiefen und durch Tests nachzuweisen, so dass sie anerkannt werden und vor allem die Möglichkeiten zur Sprachbegegnung und zum Austausch, die es vor Ort gibt, nutzen. Aber nicht als Hobby, sondern als Teil der schulischen Ausbildung.

Mein letztes Argument: Sprachen zu lernen macht Spaß. Menschen konstruieren Kunstsprachen wie Esperanto oder erfinden ganz ohne Not Sprachen wie Elbisch oder Klingonisch, andere erlernen sie. Freiwillig! Fremdsprachen sind, wie Lesen, eine Kulturtechnik, die wir einerseits brauchen, die uns andererseits aber auch einfach Freude bereiten kann. Warum sollte wir darauf verzichten?

* Christian Spannagel: Beitrag auf LinkedIn https://de.linkedin.com/posts/christian-spannagel-31b7b4a1_%3F%3F%3F%3F%3F%3F%3F%3F%3F%3F%3F%3F%3F-%3F%3F%3F%3F%3F-%3F-activity-7126197949025406976-RBoN mit einer spannenden Pro-Kontra-Diskussion in den Kommentaren.

Beitragsbild: Día Internacional de la Lengua Materina, Administración Nacional de la Seguridad Social, https://www.flickr.com/photos/ansesgob/15963428813/, CC By-SA https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

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KI im Spanischunterricht – ¡claro que sí!

Künstliche Intelligenz beschäftigt uns Fremdsprachenlehrkräfte spätestens seit die Schüler*innen Übersetzer nutzen, und umso mehr, seit es Tools gibt, die gar nicht so schlechte Texte zu typischen Themen aus dem schulischen Bereich verfassen können: Charakterisierungen, Argumentation, Textanalysen, ganz zu schweigen von den eher einfachen Texten, die in den ersten Jahren im Fremdsprachenunterricht geschrieben werden (z.B. Beschreibe dein Stadtviertel in einer Email, Berichte von dem vergangenen Wochenende, u.ä.). Gar nicht so schlecht heißt, dass diese Texte vielen schulischen Bewertungskriterien wie sprachlicher Richtigkeit, Erfüllung des Operators, ausreichender Umfang u.ä. genügen würden. Auf der Inhaltsebene gibt es allerdings noch Luft nach oben: Die Ergebnisse sind teilweise fehlerhaft, häufig vor allem unoriginell. Trotzdem bieten sie viele Möglichkeiten für den Unterrichtseinsatz.

Dass wir KI bewusst in den Unterricht einbeziehen sollten ist für mich klar – sie gehört zur Lebenswelt der Schüler*innen und wird die Kommunikation in unterschiedlichen Sprachen in Zukunft sehr beeinflussen. Es ist also sinnvoll, sich damit auseinanderzusetzen, zu lernen, KI-Tools bewusst und sinnvoll zu verwenden, und auch über die Folgen zu diskutieren. Das bedeutet natürlich auch, dass sich der Unterricht verändern wird, weil sich viele bisher übliche Arbeiten einfach durch eine KI erledigen lassen, ob wir das richtig finden oder nicht. Eine sinnvolle Nutzung der KI ist auch eine Haltungsfrage: Bei Lehrer*innen und Schüler*innen Offenheit für Neues und den Ansatz, sie als Mittel zum Lernen zu sehen, und kreativ in ihrem Einsatz zu sein. Christian Spannagel hat das auf Twitter so zusammengefasst:

1. Übersetzungstools

Ich habe mir in Hinblick auf den Spanischunterricht vor allem drei Tool-Typen angesehen und stelle ein paar Ideen vor:

Übersetzungstools (z.B. Google Translator, DeepL): Sie sind schon länger im Umlauf und werden auf vielfältige Arbeit im Fremdsprachenunterricht eingesetzt:

  1. Korrektur: Die Schüler*innen geben als fehlerhaft angestrichene Ausdrücke in den Übersetzer ein, vergleichen sie mit der Version des Übersetzers und notieren sie zusammen mit der Regel.
  2. Überarbeiten eigener Texte: Die Schüler*innen schreiben einen Text, geben ihn in ein Übersetzungstool ein und erhalten durch Hin- und Rückübersetzung eine neue Fassung. In DeepL kann man auch von Spanisch zu Spanisch übersetzen lassen und braucht keine Rückübersetzung. Dann markieren sie Unterschiede, überlegen, wo es sich um Alternativen und wo um Fehlerkorrektur handelt.
  3. Wortschatzaufbau: DeepL liefert auch Synonyme, so dass ich Sätze unterschiedlich formulieren kann. (Bild 1)

Für alle Einsatzmöglichkeiten gilt:

DeepL (und auch der Google-Translator) sollten mit ganzen Sätzen, bzw. Ausdrücken genutzt werden, um idiomatische Ergebnisse zu erhalten, die so auch gelernt werden.

Übersetzer müssen klug genutzt werden. V.a. die gelieferten Synonyme bedeuten nicht genau dasselbe, wie in der Eingangsphase gesucht (Laura se reúne con sus amigos.), bzw. sind falsch (*Laura se habla con sus amigos.). Schüler*innen müssen lernen, den Ergebnissen nicht blind zu vertrauen, sie mit ihrem Vorwissen abzugleichen und Strategien zur Überprüfung einzusetzen, wie z.B. die Rückübersetzung (Bild 2), bzw. das Eingeben des Satzes in eine Suchmaschine um festzustellen, ob diese Formulierung überhaupt brauchbare Ergebnisse liefert.

2. Chatbots

Chatbots: Seit OpenAI seinen playground und jüngst auch das Programm ChatGPT zur Verfügung gestellt hat, probieren viele Lehrkräfte aus, was mit diesen Tools zu leisten ist. Hendrik Haverkamp verwendet das Tool bereits sehr umfangreich und auch in Klausuren, und lässt seine Schüler*innen die gefundenen Ergebnisse vergleichen und überarbeiten und dies reflektieren. (Link) OpenAI warnt auf der Startseite des ChatGPT vor den Grenzen und Risiken der Nutzung: “May occasionally generate incorrect information, May occasionally produce harmful instructions or biased content, Limited knowledge of world and events after 2021.” (https://chat.openai.com/chat, am 18.12.2022, 13:27 Uhr) Zahlreiche Versuche haben gezeigt, dass ChatGPT inhaltlich deutlich daneben liegen kann, und sogar Informationen oder Quellen „erfindet“. Auch hier müssen die Schüler*innen also lernen, dass sie den Ergebnissen inhaltlich nicht einfach vertrauen dürfen, aber sie können das Programm trotzdem für sich nutzen:

Sehr vielversprechend ist der Ansatz von Hendrik Haverkamp auch für den Spanischunterricht: Die Antworten, die ChatGPT gibt, wenn Operatoren des Anforderungsbereichs III (discutir, evaluar …) verwendet werden, sind sehr allgemein. Die Schüler*innen können ihnen aber Anstöße entnehmen und diese dann konkretisieren. Ich habe z.B. die Aufgabe gestellt zu diskutieren, ob junge Spanier*innen in der aktuellen ökonomischen Situation nach Deutschland auswandern sollten oder nicht. ChatGPT nennt in diesem Beispiel (Bild 3) Kriterien nach denen die Entscheidung getroffen werden kann, gibt also eine sinnvolle Struktur vor. Außerdem können die Schüler*innen das Ergebnis als sprachlichen Steinbruch nutzen.

Konkreter sind die Ergebnisse, wenn ich nach konkreten Informationen frage (Anforderungsbereich I). Auch hier können Fehler enthalten sein, auch wenn ChatGPT sich weigert, absichtlich falsche Antworten unterzubringen (Bild 4). Trotzdem kann das Ergebnis ein Ausgangspunkt für eine Recherche sein, die die Schüler*innen nun viel zielgerichteter durchführen können (Bild 5).

  • Auch in den ersten Lernjahren können die Schüler*innen mit dem Programm arbeiten. Im Beispiel wird nach Freizeitaktivitäten und wo sie ausgeführt werden können gefragt. (Bild 6) Die Schüler*innen können markieren, welche Aktivitäten und Orte sie bereits kennen, und jeweils drei neue dazulernen. Ebenso können sie mit der Antwort auf die Frage ¿Qué puedo hacer en Mallorca? arbeiten. (Bild 7) Beide Aufgaben trainieren das Leseverstehen, denn die Antworten sind in nicht zu schwerem Spanisch geschrieben, enthalten aber unbekanntes Vokabular. Die Schüler*innen müssen also herausfiltern was sie bereits verstehen, sich weiteres erschließen und einen nicht verstandenen Rest tolerieren. Sie könnten aber nach eigenem Interesse einen Absatz auswählen, das Vokabular nachschlagen und weiter recherchieren.

3. Text-zu-Bild Generatoren:

Hier hat mich besonders eine Idee von Christian Stumfold inspiriert:

Die Schüler*innen geben ihre Bildbeschreibung in die KI ein, und vergleichen ihre Vorstellung mit dem erstellen Bild. Unter dem Tweet ist auch ein Beispiel abgebildet. Bei meinem Versuch hat die KI allerdings Lokalisierungen wie „a la derecha“, „al fondo“ usw. nie übernommen, so dass (noch!) Lokalpräpositionen herausfallen.

Eine weitere Idee: Die Schüler*innen geben Liedtexte ein, z.B. Weihnachtslieder, und generieren damit Bilder. Anschließend erraten die Mitschüler*innen, welches Bild welches Lied darstellt und begründen dies. Dabei stellen sie fest, dass häufig nur einzelne Schlüsselbegriffe übertragen wurden. Sie beurteilen, ob die Bilder das Lied gut wiedergeben, was noch fehlt, etc. (Wenn man den Liedtext zu „Mi burrito sabanero“ eingibt, erhält man übrigens das Bild eines mexikanischen Snacks.) Auf diese Weise setzen sie sich mit den Liedtexten inhaltlich auseinander und beschreiben Bilder und Emotionen. Hier das Beispiel: https://www.canva.com/design/DAFVBcuIh3Y/219j12spBBm88EvCdiodlw/view?utm_content=DAFVBcuIh3Y&utm_campaign=designshare&utm_medium=link2&utm_source=sharebutton

Fazit:

Die Möglichkeiten, KI zum Spracherwerb zu nutzen sind vielfältig, und gerade weil die Schüler*innen Strategien benötigen, um sie sinnvoll zu nutzen, sollten wir sie im Unterricht verwenden und letztere einüben.

Ein Wort noch zu den verwendeten Tools: Alle hier verwendeten Seiten und Tools (OpenAI, ChatGTP, Canva) sollten auch kritisch betrachtet werden. Sie sind kostenlos zu nutzen, z.T. nur mit Anmeldung, was nicht bedeutet, dass sie ganz unproblematisch sind. Sie sind nicht dsgvo-konform, d.h. die Schüler*innen sollten auf gar keinen Fall persönliche Daten hinterlassen. Sie dienen letztendlich kommerziellen Zwecken. Die bekanntesten Tools aufzugreifen heißt auch, v.a. immer wieder dieselben großen Plattformen zu fördern, statt kleinere bekannt zu machen und ein breiteres Angebot zu unterstützen. Sie aus diesen Gründe nicht zu nutzen halte ich aber nicht für sinnvoll, denn sie gehören bereits zum Leben unserer Schüler*innen. Unsere Aufgabe ist es, sie in einer sinnvollen Nutzung zu unterstützen, sie zum Ausprobieren aber auch zu einer kritischen Grundhaltung zu ermutigen.

Zum Nach- und Weiterlesen:

Ganz frisch gebloggt ebenfalls zu KI im Spanischunterricht hat Iris Laube: https://www.ingerfeldundlaube.de/blog/ki-im-fremdsprachenunterricht

Zur Arbeit von Hendrik Haverkamp z.B.: Christoph Meier (swiss competence centre for innovations in learning):  https://www.scil.ch/2022/12/17/chatgpt-einsatz-im-unterricht-und-bei-pruefungen/, sowie: https://the-decoder.de/ein-lehrer-laesst-ki-bei-klassenarbeiten-zu-das-hat-er-dabei-gelernt/

Sehr spannend die Überlegungen von Nele Hirsch zur Nutzung von KI im Bildungsbereich: https://ebildungslabor.de/blog/einordnung-und-nutzung-von-ki-in-der-bildung/

Philippe Wampfler: Grundlagenartikel: Umgang mit KI-Programmen im Schreibunterricht https://schulesocialmedia.com/2022/10/15/grundlagenartikel-umgang-mit-ki-programmen-im-schreibunterricht/